Zwergtaucher am Floßteich in Mühlleithen

Zwergtaucher entdeckt

Es sind die ganz besonderen Momente, die völlig unerwartet passieren und ein unbeschreibliches Glücksgefühl hervorrufen. Genau diesen Moment durfte ich erleben, als ich das erste Mal durch den Sucher meiner Kamera einen Zwergtaucher auf dem Unteren Floßteich in Mühlleithen sah.

Er lehrte mich schnell, dass sich dieses kleine Wesen nur aus großer Distanz beobachten lässt. Jedoch seine drollige Erscheinung mit seinen typisch roten Wangen zogen mich in seinen Bann. Und tatsächlich, mit etwas Geduld konnte ich drei weitere Vögel seiner Art ausmachen und ihren ausgiebigen Tauchgängen folgen.

Zwergtaucher am Floßteich in Mühlleithen
Zwergtaucher am Floßteich in Mühlleithen

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte: Ein Zwergtaucher machte mich im darauf folgenden Winter zu seiner Patin, denn er konnte auf Grund eines nicht sichtbaren Handicaps den komplett zugefrorenen Teich nicht verlassen und benötigte zur Überwinterung eine offene Wasserstelle zum Auftauchen und Verweilen. Auch das geringe Nahrungsangebot bei den niedrigen Temperaturen in den Höhen des Mittelgebirges wurde zum Problem und machte eine regelmäßige Fütterung der seltenen Vögel notwendig.

Vielen Dank an dieser Stelle, an Michael Thoß vom NUZ Oberlauterbach, der mich vor Ort fachkundig beriet und an meine Familie, die Teil einer Mission wurde, denn die wurde nun besiegelt. Tag für Tag, nach eisigen Nächten und Neuschnee durch das Steinbachtal, in meinen Fußstapfen vom Vortag zum Floßteich: Eisbrechen, Fütterung und aus sicherer Entfernung mit Spannung auf den Augenblick warten, ob mein Hilfsangebot zur Überwinterung auch angenommen wird. Ich erinnere mich lebhaft an gemischte Gefühle, wie Hoffnung, Freude, Demut sowohl auch Respekt vor der rauen Natur.

Die erste Frühjahreswärme lies das Eis schon im März schmelzen und mit den ersten zaghaft sprießenden Knospen kamen zuerst die Stockenten sowie Reiherenten zurück, dann zogen seine Artgenossen dazu. Unser Zwergtaucher erfreute sich guter Gesundheit und über die ersten Wasserbewohner, bis er sich später unerkannt unter seinesgleichen gesellen konnte.

Nicht selten war schon auf dem Weg zum Floßteich der markante trillernde Ruf der Zwergtaucher zu hören, der kleine Gewissheit gab, dass Fressfeinde oder andere natürliche Umstände den Bestand noch nicht maßgeblich reduziert haben. Im Gegenteil, ich traute meinen Augen nicht, als ich im Mai ein Nest auf einem gut getarnten, ins Wasser ragenden Ast, entdeckte. Die Elterntiere versorgten bereits vier Nestlinge mit sichtbar aufopferungsvoller Hingabe. Das Heranwachsen der Minitaucher zu Zwergtauchern war über Wochen ein Erlebnis, dessen unvergessliche Bilder mehr im Kopf als in der Kamera gespeichert sind und mir heute noch ein glückseliges Lächeln ins Gesicht zaubern.

Floßteich in Mühlleithen

Die Betonung liegt auf „war“ in der Vergangenheit, denn wir konnten in den vergangenen Jahren keine Zwergtaucher auf dem Floßteich sichten. Ihre Population steht zwar nicht auf der Roten Liste ist jedoch in Deutschland stark schwindend, da es nicht ausreichend Lebensraum und dementsprechend versteckte Brutplätze in unberührter Natur gibt – so wie auch für viele andere Wasservögel, die immer häufiger nur noch in nach Vorschrift geschützten Gebieten vermehrt zu finden sind.

Zwergtaucherfamilie am Floßteich in Mühlleithen
Zwergtaucher am Floßteich in Mühlleithen

Auch wenn es immer eine Herausforderung sein wird, Zivilisation im Einklang mit dem Ursprung des Lebens zu bringen, sind die Erlebnisse in der Natur ein großer Schatz und wertvolle Erfahrung. Vielleicht konnte ich mit diesem Beitrag euren Entdeckergeist wecken?

Habt so viel Freude in und an der Natur, auch mit ruhigen Schrittes, um die kleinen Wunder nicht zu übersehen. Viel Glück!